Passionen. Irgendwo.
In mehreren Workshops wurde ein Theaterprojekt für die Ausstellung „Tiefe Spuren“ im Museum Neukölln entwickelt und dort zur Aufführung gebracht.

Die Theatergruppe trifft sich im Museum, um ein Stück zu proben. Sie kommen in Kontakt mit Geschichten fremder Menschen auf der Flucht.
Sie geraten immer tiefer in diese Geschichten und stoßen auf eigene Erinnerungen.
Diesen Geschichten stehen Lieder aus Schuberts Winterreise gegenüber.
Entwickelt wurde dieses Theaterprojekt zur Ausstellung „Tiefe Spuren – Kriegsflüchtlinge 1945 - 2005“ im Museum Neukölln.
Die Spielerinnen in guter Alltagskleidung treffen auf Biographien von Flüchtlingen aus aller Welt, die heute in Neukölln leben. Nur die alten Koffer und Taschen, die sie mit sich tragen, symbolisieren das Thema: Flucht. Schuberts „Winterreise“: der unfreiwillige Wanderer, der verzweifelt Liebende, sich nach der verlorenen Liebe und Heimat Sehnende wird schon in Peter Härtlings Buch „Der Wanderer“ in Zusammenhang mit den Flüchtlingsströmen der Kriege gebracht. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“ – Begegnung, die Nicht – Begegnung ist, Flüchtige, die selbst Verfolger werden, vergebliche Bitten vor erstarrten Puppen. Warten – immer wieder – auf Post, auf Freiheit, auf Liebe. Die choreographischen Szenen gehen über in Dialoge – Zitate aus den Flüchtlingsbiographien – „ich kann mich nicht daran erinnern, als Kind je gespielt zu haben.“ Spielen wir andere Geschichten von der Flucht, fremde Schicksale, die Vergangenheit der eigenen Familie – oder ist Flucht nicht einfach ein Menschheitsthema, die täglichen Fluchten im Alltag – sind Fragen, die die Theatergruppe während der Proben stellte. Am Ende des Stückes steht ein großer Sprechchor – aus dem Gemurmel Textfetzen „wir durften nicht in die Schule hineingehen“ –„er trug Lumpen an den Füßen“ – „jeden Tag konnten wir geholt werden“ –„geflohen aus Tschetschenien, Ostpreußen, Irak.“

Premiere: Sonntag, 20. November 2005