Was sind wir Menschen doch ...ein Irrlicht dieser Zeit?
»Ein Theaterprojekt zur Barockzeit«

Konzept und Regie: Birgit Reibel

Die Barockzeit mit ihrer überbordenden Lebenslust und dem gleichzeitigen Bewusstsein des nahen Todes, mit ihrer Sinnenfreude, die sich im Bau üppiger Paläste ebenso ausdrückt wie in rauschenden Festen, kontrastierend mit der Erfahrung des Schreckens in Gestalt von Krieg und Pest.

Acht Figuren erwachen aus 400 jährigem Schlaf und finden Fragmente ihrer einst prächtigen Kostüme vor. Wie im Traum erleben sie noch einmal ihre Zeit, wobei sich Freude und Schrecken jäh abwechseln.
Der vornehme Tanz bei Hof löst sich auf in Ekel, das heitere Anspiel von Molières "Geizigem" wird jäh durch die Kriegstrommeln zerstört, der Tod löst sich auf in ein buntes Spiel und aus der Hexenverbrennung wird ein rauschendes Fest. Ein Mensch wandelt durch eine Scheinwelt der Puppen und Fassaden und bleibt mit seiner Trauer allein. Wie in einem Traum, der manchmal zum Albtraum wird, fließen die Zeiten und Geschehnisse ineinander. Am Ende sinken die Figuren wieder in ihren Schlaf.

Das Spiel kommt weitgehend ohne Worte aus, erzählt wird in großangelegten Bildern und stark körperlichem, groteskem Spiel.
Die Choreographien nach Musik von Bach, Händel und anderen Barockkomponisten wechseln zwischen Ernst und Groteske. Sie berühren Dimensionen des menschlichen Seins, die auch heute noch aktuell sind: Der Mensch ins Leben geworfen zwischen Glück und Leid. Leitmotive sind Gedichte von Andreas Gryphius.
Die Zeit des Barock, eine Spaßgesellschaft am Rande des Abgrunds, ist erstaunlich aktuell.

Die Szenen wurden unter der Leitung von Birgit Reibel gemeinsam mit den Teilnehmerinnen entwickelt und im Rahmen von "48 Stunden Neukölln 2004" zur Aufführung gebracht.
(Fotos: Elke Müller)
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